Linke Medien und die LiMA

»Am Anfang war das Wort....« heißt es in der christlichen Schöpfungslehre. Das Wort ist von besonderer Bedeutung – Sprache ist Macht, Sprachlosigkeit ist ein Synonym für Ohnmacht. Diese Erkenntnis spiegelt sich in der Stellung der Medien wieder.

Foto: Ulrike Kumpe

Maurice Schuhmann, Redaktion Paris

Medien gelten als die vierte Macht im (demokratisch verfassten) Staat. Sie geben den Rahmen und die Richtung gesellschaftlicher Debatten vor und entscheiden letztendlich auch über die tages- und kulturpolitische Agenda. In diesem Kontext hat sich auch der linke Journalismus zu verorten und seine Rolle zu finden – zwischen ökonomischen Notwendigkeiten, journalistischem Ethos und eigenem Anspruch.

Linker Journalismus ist vielfältig und beinhaltet ein breites Spektrum von unterschiedlichen Medienformaten. Es reicht alleine im deutschsprachigen Printbereich von der taz, als einer in der Mitte der Gesellschaft angekommenen »alternativen« Tageszeitung, über die vor sich hin dümpelnde Unsere Zeit, als einem klassischen Parteiorgan einer marginalisierten K-Gruppe, der Deutschen Kommunistischen Partei, bis zur Contraste, die nach wie vor den Anspruch, ein Bewegungsorgan zu sein, hochhält. Hinzu kommen Blogs, Wikis, Radiosender und vieles mehr.

Bei einem Interview mit der mallorquinischen Gewerkschaftsgruppe der Confederation Nacional del Trabajo (CNT) witzelte einmal ein Genosse mir gegenüber, dass sobald sich drei spanische AnarchistInnen zusammenfinden, das erste sei, was sie machen, eine Zeitung zu gründen. Das lässt sich auf die gesamte linke Szene übertragen. Medien nehmen in der Bewegung seit jeher einen wichtigen Raum und eine Funktion ein. Sie liefern (Gegen-)Informationen, schaffen einen Raum für Diskussion und Vernetzung und können im Idealfall auch marginalisierten Gruppen, deren Stimme von der Mehrheitsgesellschaft nicht gehört wird, eine Plattform bieten. Weiterhin sind sie für viele Bewegungen ein wichtiger Kristallisationspunkt – z.B. im Falle der Graswurzelrevolutionsgruppen, die sich rund um die Inhalte jener Zeitschrift gruppieren und positionieren.

Die Kenntnis oder vor allem die Lektüre gewisser Zeitschriften gilt als ein Inklusionsmechanismus in gewissen Kreisen der Linken. Sie sind somit auch ein Stück weit identitätsstiftend für die einzelnen Strömungen. Nach wie vor sind es die Printmedien, die in der linken Szene eine gewisse Deutungshoheit von Ereignissen und Diskursen besitzen sowie den sprachlichen Duktus bestimmen. Sie sind und schaffen gleichzeitig ein kulturelles Kapital.

Die Autorenschaft oder Herausgabe eines Mediums ist somit eng mit einer Machtfrage gekoppelt und stellt auch das Individuum vor die Frage, wie es die Macht und das damit verbundene Potential nutzt. Dies ist auch an den eigenen Ethos gebunden, ob ein Medium als Sprachrohr einer Bewegung dienen will, als kritischer Beobachter an Prozessen teilnimmt oder sich selbst zum Initiator gesellschaftlicher Veränderungen aufschwingen will.

Vor diesem Hintergrund mag es kaum verwundern, dass es die Linke Medienakademie gibt, die einen Rahmen zur (notwendigen) Reflektion und Fortbildung für linke Medienschaffende sowie für Interessierte schafft. Die Contraste ist dieses Jahr ein Medienpartner der LiMA und wird sich auch mit mindestens einer Veranstaltung in der Akademie einbringen.

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