Juli/August 2016 Interkomm Wendland und Interkomm-Region Kassel

 

 

 

Wirtschaften im "Freien Fluss"

Kartoffeln im freien Fluss - in den Sack gesperrt Foto: Kommunard*in

Zweihundert Kommunard*innen aus der Region Kassel und aus dem Wendland beschreiten seit
einigen Jahren einen besonderen Weg, den des Wirtschaftens im »Freien Fluss«. Damit erschüttern
sie die Warenideologie in ihren Grundfesten. Obwohl erst lächerliche 200 Jahre alt, haben sich
die marktwirtschaftlichen Dogmen erstaunlich tief in unsere Hirnrinden eingebrannt. »Ich verkaufe
und kaufe, also bin ich«, so lautet das Haupt-Credo.

Von Heinz Weinhausen, Redaktion Köln AlsWarennomade verkapselt sollen die Individuender bürgerlichen Gesellschaft nur überleben können, indem sie ihre Dienste und Waren, insbesondere ihre Arbeitskraft verkaufen. Darüber hinaus soll der Warenmensch sich für seine Mühen aber auch ordentlich belohnen können, was bis zum krankhaften Konsumzwang ausarten kann. Und indem alle ihre egoistischen Waren und Geldzwecke verfolgen, so das moderne Märchen, soll daraus auch noch eine blühende Gesellschaft entstehen. Dabei pfeifen es tagtäglich die Spatzen von den Dächern: Die Marktwirtschaftsreligion dient den Reichen nur dazu, hinter den Kulissen möglichst reibungslos zu plündern, zu erpressen, zubetrügen, zu korrumpieren und andere auszubeuten. Entgegen der beschworenen Marktgerechtigkeit werden die Reichgewordenen so auf scheinbar wundersame Weise noch reicher und mächtiger.

Mit der fortschreitenden Krise des Geld und Marktsystems - Umweltkatastrophen inklusive - versuchen inzwischen immer mehr Menschen, sich wenigstens im Kleinen und in Widersprüche verwickelt vom Marktfetisch zu befreien. Auf Klimacamps, in der SoLaWi, bei Open Source und Wikipedia, in Commons-Initiativen oder in "Flüchtlinge-Willkommen"-Gruppen wird stetig versucht, andere Werte als die von Marktsubjekten zu leben.

Etliche Kommunen haben sich gegründet, um ein Stück weit ganz anders zuleben. Nach dem Erwerb, manchmal auch Besetzung von Häusern und Ressourcen, suchen sie in hierarchiearmer, freier Weise bedürfnisorientiert für sich als Gruppe zu wirtschaften. Selbstversorgung wird groß geschrieben, aber auch wohl oder übel der Marktwirtschaft gedient, weil irgendwie ja auch Geld rein kommen muss. Nach innen ist das Tauschen allerdings prinzipiell aufgehoben, jeder gibt - nach dem von Karl Marx formulierten kommunistischen Prinzip- nach seinen Kräften und Fähigkeiten und nimmt nach seinen Bedürfnissen. Was also nicht heißen soll, dass den warensozialisierten Mitgliedern der Kommunen dies stets real gelingen würde.

Jeweils eine Handvoll Kommunen im Wendland, wie in der Region Kassel haben sich zusammengetan, einen Schritt weiterzu gehen. Wie hoch soll die Rechnung für die befreundete Kommune sein? Warum überhaupt soll alles untereinander verrechnet werden? Die Interkomm-Projekte wollen damit soweit wie möglich Schluss machen. Sie wollen mehr und mehr ihre Arbeit, ihre Dienstleistungen, ihr Knowhow und ihre Produkte "frei fließen" lassen.

Im Interkomm-Schwerpunkt geben unsbeteiligte Kommunard*innen Einblicke in dieses soziale Experiment. Und noch einen sehr großen Schritt weiter gedacht: Wie wäre es, wenn unsere Gesellschaft einmal ganz anders, nämlich jenseits von Markt und Staat ticken würde, wenn sie sich in eine frei verbandelte gewandelt hätte? Ein interessanter Artikel aus der Zukunft gibt einen Rückblick auf die Zeiten des Umbruchs.

Spendenziel 2016: 6.500 Euro

»Ändere die Welt. Sie braucht es.«

Bert Brecht

Ändere die Welt, sie braucht es; immer dringlicher. Wie beim Gärtnern braucht es Geduld, bis die Zeit der Ernte kommt. Wir können heute nur säen. Samen des Widerstandes und hoffen, dass eine robuste Pflanze sprießen wird. Klein fing der Widerstand bei den selbstorganisierten Klimacamps an, diesen Sommer wurde die Garzweiler-Grube trotz Polizeipräsenz von Hunderten besetzt.

 

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