Juni 2016 - Initiative gegen Rassismus

Keupstraße ist überall

Einzelheft bestellen ...so geht's

Menschen aus verschiedenen linken Zusammenhängen waren entsetzt, als 2011 herauskam, dass der "Nationalsozialistische Untergrund - NSU" die Nagelbomben-Attacke auf die Kölner Keupstraße verübt hat. Eine sehr aktive und kompetente Initiative hat sich daraufhin organisiert und mit den Betroffenen solidarisiert.

Demonstration zum NSU-Prozess in München am 20.1.2015 Foto: Dörthe Boxberg

von Ariane Dettloff, Redaktion Köln Die Keupstraße in Köln-Mülheim, 107 Geschäfte und Restaurants auf 480 Metern - betrieben von Familien und Geschäftsleuten, die ihre Wurzeln in der Türkei haben, war den meisten Kölner*innen kaum näher bekannt, obwohl manche gern die türkischen Restaurants besuchen.

Das änderte sich 2004, als Schlagzeilen und Nachrichten von einem Nagelbomben-Anschlag dort und nachfolgend von Mafia-Strukturen und kriminellem Milieu berichteten. Wer möchte damit schon zu tun haben? Da hält mensch sich doch lieber fern. Immer wieder mal erfuhr die Öffentlichkeit, ein fremdenfeindlicher, rechter Hintergrund sei ausgeschlossen. Otto Schily, damals sozialdemokratischer Innenminister, bekundete das gleich am Tag nach dem Bomben-Anschlag. Die Ermittlungsbehörden vermuteten - wie bei allen NSU-Morden - einen internen Racheakt, blutigen Streit zwischen Gangstern, Geldwäsche, Drogenbanden und bezeichneten den Anschlag als "Döner-Mord". Bis der "NSU", der "Nationalsozialistische Untergrund" sich 2011 selbst enttarnte. Die Nagelbombe in der Keupstraße war Teil einer Attentatsserie des NSU gegen "Ausländer" gewesen. Sieben Jahre lang litten die Anwohner*innen unter Verdächtigungen und Stigmatisierung. Besonders bitter: Staatsbehörden (Polizei, Verfassungsschutz und Staatsanwaltschaft) be- und verhinderten eine umfassende Aufklärung des rechten Terrors, in den auch V-Leute des Verfassungsschutzes verwickelt waren. Große Schredder-Aktionen unter anderem beim Bundesamt für Verfassungsschutz haben stattgefunden: mehr als 310 Akten wurden allein seit 2011 vernichtet.

Die türkischen und kurdischen Anwohner*innen der Keupstraße hat der rechtsterroristische Anschlag mitsamt seinen Folgen tief getroffen, einige geradezu traumatisiert. Vom "Anschlag nach dem Anschlag" sprechen die Betroffenen. Denn die üblen Verdächtigungen haben das zuvor freundliche Klima dieser besonderen Straße vergiftet. Gegenseitiges Misstrauen machte sich breit, denn Opfer wurden zu Tätern gemacht. Um sie nicht länger mit ihrem Schmerz und ihrer Wut allein zu lassen, um auch den ersten NSU-Anschlag - das Bombenattentat in der Kölner Probsteigasse - nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und auf eine lückenlose Aufklärung der Öffentlichkeit sowie eine Aufarbeitung des strukturellen Rassismus hinter dem Skandal zu drängen, gründeten Kölner Antirassist*innen 2013 die Initiative "Keupstraße ist überall". Fünfzehn bis zwanzig Frauen und Männer unterschiedlicher Herkunft bilden den Kern der Initiative, wobei die Personen zum Teil wechseln, die Gruppen und das beteiligte Umfeld aber bleiben. Regelmäßig treffen sie sich im Café Sabahci auf der Keupstraße, um Aktivitäten zu verabreden. Einige davon schildern sie in diesem CONTRASTE-Schwerpunkt.

Spendenziel 2016: 6.500 Euro

»Ändere die Welt. Sie braucht es.«

Bert Brecht

Ändere die Welt, sie braucht es; immer dringlicher. Wie beim Gärtnern braucht es Geduld, bis die Zeit der Ernte kommt. Wir können heute nur säen. Samen des Widerstandes und hoffen, dass eine robuste Pflanze sprießen wird. Klein fing der Widerstand bei den selbstorganisierten Klimacamps an, diesen Sommer wurde die Garzweiler-Grube trotz Polizeipräsenz von Hunderten besetzt.

 

Spendet für die CONTRASTE!

Ändere die Welt, das heißt auch, unsere Zeitung CONTRASTE - Zeitung für Selbstorganisation für Neues im Alten zu stärken. Die ehrenamtlich tätigen Autor*innen und Redakteur*innen tun ihren journalistischen Teil. Die Abonnent*innen und Fördermitglieder den finanziellen Teil. Aber es reicht (noch) nicht. Für das kommende Jahr benötigen wir eure Spendengelder, um weitermachen zu können. Die Situation hat sich gebessert, Verbindlichkeiten konnten beglichen werden. Unser Spendenziel der »Aktion 2015« von 8.500 Euro wurde erreicht. Vielen herzlichen Dank.

Gerne würdigen wir unsere Spender*innen namentlich auf Seite zwei. (Bitte »Name Ja« auf der Überweisung anmerken.) Auf Wunsch senden wir eine Spendenbescheinigung zu.

Spendenkonto: Contraste e.V.

IBAN: DE02508900000051512405

BIC: GENODEF1VBD