Von Zwetschken und Wieserhoisls

Erstes »Los geht's« in Österreich


Ist Kommune auch was für Österreich? Dies wollten die Hofkollektive Zwetschken und Wieserhoisl wissen und organisierten das erste »Los geht's«, anknüpfend an die Treffen der Kommunebewegung in Deutschland. Mit Erfolg: rund 80 Teilnehmer*innen machten sich Mitte August auf nach Niederösterreich ins klimatisch gelegentlich raue Waldviertel. Etwa 100 km nordwestlich von Wien, Richtung tschechischer Grenze, am Rande des kleinen Ortes Schweiggers, liegt das Gelände der Zwetschken, ein sehr einladender Tagungsort mit kreisrundem »Marktplatz«, einer Veranstaltungshalle, rundum viel Natur und reichlich Platz für Zelte.


Von Hans Wieser, Redaktion Klagenfurt Das wohl älteste Pionierprojekt, der im Jahre 1977 gestartete Kärntner Hof Stopar von Longo maï, war leider nicht vertreten, wohl aber die Wieserhoisls, die nun schon seit Frühjahr 2008 auf ihrem Hof in der Steiermark wirken und werken (siehe CONTRASTE Nr. 293 vom Februar 2009). Im Jahre 2011 gab es dort auch schon ein erstes Vernetzungstreffen von kollektiven Initiativen.

Die Gastgeber, die Zwetschken, sind dagegen noch ganz »frisch«. »Wir sind vier Menschen, Zwetschken, Pinguine und andere Lebewesen, allesamt erdäpfelsüchtige Neu-Waldviertler*innen. Wir beleben seit 2014 die ehemalige Holzmühle mit Aus- und Umbauten, Gelächter, Sonnenfrühstücken, Kräuterwanderungen, Clownerie, Gedanken, Gefühlen, Veranstaltungen, Diskussionen, Spaziergängen, Raumplänen, Listen, einer Foodcoop, reparieren und kaputt machen, musizieren, Flusstauchgängen und was uns sonst noch so einfällt.«

Vom solidarisch-selbstorganisiertem Geist erfüllt, hofften die Gastgeber*innen auf tatkräftige Unterstützung zur Vorbereitung des »Los geht’s«. Zu Recht, zusammen mit vier Helfer*innen startete der gemeinsame Aufbau des Lagers. In einer Woche wurde das Gelände aufgeräumt, Tische und Bänke besorgt, Wasserleitungen gelegt, Wiesen gemäht, eine Solardusche installiert, Kompostklos gebaut, Raum für die VoKü geschaffen, Brennholz geschnitten, Planen gespannt und einiges mehr. Köstlich bekocht wurden wir in diesen Tagen von Frank aus der Kommune Niederkaufungen bei Kassel. Alles war bereit, als die ersten Teilnehmer*innen schließlich ankamen.

Es wurde ein schönes »Los geht’s«. Dem launigem Wetter und den kalten Nächten trotzend ließ es sich gut einander kennenlernen und miteinander plaudern, aber auch intensiv in Workshops diskutieren und Erfahrungen austauschen. Christine von der Thüringer Kommune Waltershausen konnte da einiges aus dem Nähkästchen plaudern. Das abendliche Lagerfeuer war eine stimmige Abrundung und bot eine gute Möglichkeit, sich auch auf persönlicher Ebene näherzukommen.

Die Themen waren offen und querbeet: Vom Erfahrungsaustausch und Finden von interessierten Menschen für die Projekte, vom Renovieren und Heizungsbauen, vom leidigen Thema Finanzen bis hin zur gesellschaftlichen Dimension: politische Gegenmacht aufzubauen. Ein feiner Abschluss war die Open Stage am Samstagabend, eine offene Bühne für alle Kreativen und Mutigen. Was rege genutzt wurde.

Es zeichnet sich, »Los geht's« sei Dank, ein Aufbruch der Kollektiv- und Kommunebewegung in Österreich ab. Schon diesmal waren mehr als zehn Projekte vertreten, vom Cohousing, bis zur Solidarischen Landwirtschaft, von Hofkollektiven bis hin zu Wagenplätzen.


Informationen: losgehts2014.wordpress.com

Dort findet sich auch eine Liste der »Los geht’s«-Projekte aus Österreich.




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