»ANNA«: Ein Theaterstück aus dem kreativen Underground

Keine Subventionen. Kein Geld. Die Kleinkunstszene in der Steiermark ist erfolgreich ausgeblutet worden. Dank neoliberaler Politik. Doch die Tanz- und Ausdruckspädagogin und Lebensberaterin Angela Buschenreiter ließ sich nicht entmutigen. Nachdem sie über die Jahrzehnte in Kooperation mit Jugendlichen 18 Bühnenproduktionen verwirklicht hatte (Bühne Authentic - Impuls Aussee), die nicht nur im heimatlichen Bad Aussee, sondern auch in etlichen österreichischen Großstädten in Theatern und Rockhäusern ein begeistertes Publikum fanden, ging sie daran, ihren lange gehegten Traum zu verwirklichen: Ein Theaterstück zu schreiben, das ihre eigene Geschichte und die ihrer Mutter teilweise reflektierte. So entstand »Anna«.

ROMAN SCHWEIDLENKA, KLAGENFURT

Buschenreiter begeisterte Laienschauspieler_innen, die bereits bei der »Bühne Authentic« mit von der Partie waren, für ihre neue Idee. So entstand das zehnköpfige Ensemble »Die butterlosen Brote – mehr als Theater«. »Butterlose Brote« bezieht sich auf den Ausspruch einer gut verdienenden steirischen Landesrätin, die meinte, »wir alle haben in den letzten Jahren zu viel Butter aufs Brot geschmiert.« Womit Sparmaßnahmen gerechtfertigt werden sollten, ungeachtet der Tatsache, dass nur eine reiche Oberschicht tatsächlich zu viel Butter auf ihr Brot schmierte.

Ein Stück Zeitgeschichte

»Anna« ist ein Stück österreichischer Zeitgeschichte. Die Handlung beginnt im Burgenland in den dreißiger Jahren, spricht das karge, mühevolle bäuerliche Leben und die folgende Zeit des Nationalsozialismus an. Nach dem Krieg verweigert sich die junge Anna dem elterlichen Schuften am Hof und zieht nach Wien, wo sie als Stubenmädchen in einer Diplomatenfamilie einen Job bekommt. Tatsächlich gingen in jener Zeit viele junge Mädchen diesen Weg vom Land in die Stadt. Da die Ehe der Diplomaten zerbricht, wandert Anna samt Diplomatengattin in das anrüchige Kaffeehaus Sokrates, einem Treffpunkt von Linken, Arbeitern und mutigen Frauen. Die Staatspolizei kontrolliert das Lokal. Der erste Teil des Stücks zeigt blitzlichtartig Armut, Hoffnung auf ein besseres Leben und den Kampf einer volksverbundenen, ideologisch wenig gebildeten Linken für eine bessere Gesellschaft. Antikriegsszenen erzeugen beklemmende Spannung.

Turbulente 70er

Der zweite Teil behandelt die Zeit von 1968 bis zu jener legendären Volksabstimmung, in der die Österreicher das AKW Zwentendorf verhinderten. Einbettet in die Geschichte einer Jugendclique, der Anna und ihren Freunden nachfolgenden Generation, bestehend aus Linken und Hippies, rauschen die turbulenten siebziger Jahre über die Bühne. Ohne Idealisierungen wird die damalige bunte, rebellische Jugendkultur wieder lebendig. Zugleich werden braune Regungen in der österreichischen Politik die siebziger Jahre angesprochen, nicht zuletzt symbolisiert durch eine keppelnde Mieterin, die ihre BdM-Ideale gegen Hippietum und linke Utopien ins Feld führt. »Anna«: Ein Statement für die Möglichkeiten zur Veränderung und die Liebe zum Leben; für den Mut, zu sich selbst zu stehen.

Der Hund Fin

»Anna« vermengt ansprechend zeitgeschichtliche Informationen mit zahlreichen Tanzeinlagen und viel Humor. Zwei Polizisten werden zu gar nicht nach strammer Ordnung riechenden Figuren, die die Lacher auf ihrer Seite haben. Buschenreiter integriert auch den Hund Fin, eine literarische Schöpfung des Literaten Michael Benaglio, in ihr Stück. Fin, ein mit vielen Wassern gewaschener schlauer Hund, der zugleich gelehrter Professor ist und von einem der Polizisten wegen aufrührerischer politischer Reden im Park verhaftet wird. Mit Fin betritt, gekonnt in die Handlung eingeschleust, ein surrealistisches Element das Theaterstück. Benaglio spielt dabei seine Kreation Fin.

Kleines Budget, große Wirkung

Mit geringsten Mitteln ausgestattet, konnte »Anna« dank dem Engagement der Beteiligten verwirklicht werden. Großer Wert wurde auf die authentische Bekleidung der Schauspieler_innen gelegt, ein Stück, »dessen Inszenierung nicht zuletzt durch großartige Bühneneffekte, die in ihrer Kargheit unübertroffen sind, fasziniert«, wie die Literaturkritikerin und Schriftstellerin Lilo Alberti anmerkte. Das Ennstaler Cultur-Centrum-Wolkenstein stellte seine Räumlichkeiten für Probe und Uraufführung kostenlos zur Verfügung. Weitere Auftritte folgten in Wien, am 19. Mai ist »Anna« in Salzburg zu sehen. Nur im Burgenland, der Ur-Heimat der Anna, konnte keine Bühne gefunden werden.

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