»Gemeinschaftlich. Altersgemischt. Gut.«

Rund 100 Menschen, ca. 77.000m2 Grundstück und ein gemeinsames Projekt - mit mehreren Generationen nach dem skandinavischen Cohousing-Modell in Gemeinschaft auf Gut Mydlinghoven leben. Während der letzten drei Jahre arbeiteten die Mitglieder der Genossenschaft »Wir vom Gut eG – natürlich gemeinsam« ehrenamtlich auf die Realisierung dieses Traums hin. Sie sind gleichzeitig auch die BewohnerInnen des Projektes. Im Dezember 2015 war es dann soweit: Die Genossenschaft unterzeichnete den Kaufvertrag und gründete somit das erste Cohousing-Wohnprojekt dieser Größenordnung in Deutschland - Gemeinschaftlich. Altersgemischt. Gut.

Heinz Bielefeldt, Redaktion Genossenschaften

»Wir vom Gut« ist eine dynamische Gemeinschaft, in der verteilt auf 45 Wohneinheiten junge und ältere Menschen, Familien mit Kindern, Paare sowie Singles gemeinsam leben, arbeiten und Zeit im Alltag teilen. Dies geschieht über gemeinsames Kochen und Essen, beim Spielen mit den Kindern, bei einem gemeinsamen Filmabend oder anderen Aktivitäten. Private Freiräume und die Wahrung persönlicher Grenzen sind dabei genauso wichtig wie das voneinander Lernen und miteinander Wachsen. Grundlegend für die Gemeinschaft ist weder eine Religion noch eine spezifische politische Meinung.

Sharing Economy

Eine Einkommensgemeinschaft wird nicht angestrebt. Prägend ist der Wunsch, in verdichteter Nachbarschaft zu leben und Ansätze der sharing economy umzusetzen. Dafür stehen 1.500m² gemeinschaftlich genutzter Fläche zur Verfügung. Es gibt eine große Gemeinschaftsküche, Kreativ- & Werkräume, eine internes Hofcafé, Musik- und Medienräume, Gästezimmer, Fest- und Seminarräume sowie einen Coworking Space für Freiberufler. So hat der Einzelne bei weniger Individualraum gleichzeitig eine höhere Lebensqualität. Räume und Gerätschaften werden deutlich effizienter genutzt als beim Wohnen in Einfamilienhäusern.

Dahinter steckt die Idee des Cohousing. Als moderne Wohnform entstand diese Form des Zusammenlebens in den 1960er Jahren in Dänemark. Sie ist mittlerweile vor allem in Skandinavien und Nordamerika verbreitet. Der Ursprungsgedanke war, den Arbeitsaufwand im Haushalt durch Synergieeffekte des gemeinschaftlichen Lebens signifikant zu verringern. Bei üblichen Arbeitszeiten sollte so mehr Zeit für Freunde und Familie zur Verfügung stehen.

Modernes Cohousing

Diese Form des Zusammenlebens bietet mögliche Antworten auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen: die Ermöglichung, Familie und Beruf in Einklang zu bringen, die Verhinderung von Altersisolation, einen sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltigeren Lebensstil. Typisch für Cohousing sind neben dem gemeinsamen abendlichen Kochen in kleinen Teams und (optionalem) Essen in großer Gemeinschaft die bereits erwähnten ausgeprägten Gemeinschaftsbereiche.

Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf einer intakten Altersmischung, so dass es weder zu einer Überalterung kommt, noch die Lebenserfahrung älterer BewohnerInnen verloren geht. Als Orientierung dient die demographische Entwicklung Deutschlands.

Hochwertig saniertes Rittergut

Das hochwertig ausgebaute Gut Mydlinghoven bietet für gemeinschaftliches Wohnen ideale Voraussetzungen. Die Ursprünge des ehemaligen Ritterguts lassen sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Heute steht das Gut unter Denkmalschutz und liegt im Naturschutzgebiet in Düsseldorf-Hubbelrath. Kindern wie Erwachsenen bietet dies die Möglichkeit, bei gleichzeitiger Nähe zur Stadt, Natur direkt zu erleben und einen respektvollen Umgang mit Pflanzen und Tieren zu pflegen. Im Jahr 1998 wurde das Baudenkmal kernsaniert, so dass lediglich Reaktivierungsarbeiten erforderlich waren und so im April 2016 die ersten BewohnerInnen einziehen konnten.

Die Genossenschaft hat sich sozialen, städtebaulichen und ökologischen Qualitätsschwerpunkten verpflichtet. Gegenüber Einzelinteressen haben Anforderungen Vorrang, die auf Gemeinschaft, soziale Aktivitäten und Stabilität, altersgemischtes Wohnen, nachhaltige Einbindung in das Wohnumfeld bei größtmöglichen Freiräumen für eigenverantwortliches Handeln der Mitglieder abzielen.

Eine solide Finanzierung und Bewirtschaftung der Räumlichkeiten sind Grundlage der langfristigen Nutzungsperspektive. Dazu gehört die Vermietung der zur Verfügung stehenden attraktiven Seminar- und Veranstaltungsräume. So wird sichergestellt, dass das Gesamtobjekt geschützt vor Spekulationen bestehen kann und den BewohnerInnen bei stabilen Mietpreisen günstig Wohnraum zur Verfügung stellt.

Die Organisationsstruktur ist zweigeteilt. Genossenschaftsrechtlich sind ein Aufsichtsrat und ein Vorstand vorgeschrieben. Die wirtschaftliche Verantwortung über das Gesamtprojekt obliegt diesen beiden Gremien. Die BewohnerInnen des Projektes haben sich innerhalb der Gemeinschaft in vier Arbeitsgruppen und einer Vielzahl von Arbeitskreisen organisiert. Alle BewohnerInnen sind in einer oder mehreren Arbeitsgruppen aktiv. Arbeiten um Gut und Garten werden zusammen geplant und erledigt. Alle übernehmen Verantwortung für die anfallenden Aufgaben. Jeder macht, was er kann, woran er Spaß hat und womit er die Gemeinschaft am besten unterstützt.

Zweigliedrige Organisationsstruktur

Die AGs Gemeinschaft, Gutsarbeiten, Markt & Kommunikation und Raum & Technik decken alle anfallenden Arbeiten ab. Was nicht in Eigenleistung erbracht werden kann oder darf, wird, in enger Abstimmung mit den Ämtern der Stadt, nach außen vergeben. Als Bindeglied zwischen Genossenschaft und Gemeinschaft fungiert der aus den Sprechern der Arbeitsgemeinschaften und dem Vorstand bestehende Beirat.

Plenare Soziokratie

Stärkstes Gremium ist das monatlich stattfindende Plenum, in dem alle Genossenschaftsmitglieder stimmberechtigt und Interessenten als Gäste zusammenkommen. Sie informieren sich über aktuelle Themen und stimmen bei Bedarf ab. Um einer gleichberechtigten Beteiligung aller gerecht zu werden, orientieren sich die Entscheidungsprozesse der Gemeinschaft am Modell des Systemischen Konsensierens und der Soziokratie. Dies sichert eine hohe Trag- und Arbeitsfähigkeit des Projekts.

Nach den Phasen des Kaufs, der Reaktivierung der Räume und des Einzuges aller BewohnerInnen beginnt nun die Öffnung des Wohnprojektes nach außen. In der Balance zwischen privat- und gemeinschaftlich genutzten Räumen, möchte sich »Wir vom Gut eG« aktiv an der Quartiersbildung beteiligen. Die großzügigen Räumlichkeiten bieten hierfür vielfältige Möglichkeiten. Sie reichen von kulturellen Veranstaltungen über Seminare und Weiterbildungen zu den unterschiedlichsten Themenbereichen bis hin zu privaten Feiern kleiner und mittlerer Größe. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, Gästezimmer zu mieten und ein paar Schnuppertage in einem Cohousing-Wohnprojekt zu verbringen. Eine Unterstützung des Projektes durch Zeichnung von Genossenschaftsanteilen ist möglich.

Weitere Informationen: www.wirvomgut.de

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