ZERSTÖRERISCHE GROßPROJEKTE

Die lustigen Kartoffeln haben den Elefanten besiegt: Phantasievolle Protestaktion der ZADisten gegen das unnütze Großprojekt des Flughafens in Notre-Dame-des-Landes. Foto: Laurent Lebot

Mitte Januar jubelten die ZADisten in der Nähe von Nantes, denn der französische Präsident erklärte, dass das umstrittene Flughafenprojekt in Notre-Dame-des- Landes nicht gebaut werde. Gegner_innen von anderen unnützen und aufgezwungenen Großprojekten in Stuttgart, Wien, San Sebastian und am Fehmarnbelt kämpfen jedoch weiter. Eine internationale Vernetzung versucht, die Mechanismen und (Profit-)interessen hinter den Projekten deutlich zu machen.

PETER STREIFF, STUTTGART

Am 17. Januar war die Freude groß bei den Flughafengegner_innen in der Nähe der französischen Stadt Nantes in der Süd-Bretagne: Die Ankündigung des französischen Präsidenten Macron, das Flughafenprojekt aufzugeben, feierten sie als »historischen Sieg gegen ein destruktives Entwicklungsprojekt«. Doch mit dem aktuellen Entscheid ist zwar das zerstörerische Großprojekt vom Tisch, da die Kapazität des bestehenden Flughafens von Nantes inzwischen auch offiziell als ausreichend bezeichnet wurde, die Zukunft der Besetzer_innen bleibt jedoch ungewiss.

Daher fordern die Bäuer_innen und die Bewohner_innen der »zone à défendre« (ZAD, der Gegend, die es zu verteidigen gilt), dass die nun anstehende »institutionelle Umverteilung von Land eingefroren« wird, damit genügend Zeit bleibt, gemeinsam »den Aufbau der Zukunft der ZAD« zu regeln. Denn: »In Zukunft soll dieses Gebiet ein Bereich für soziale, ökologische und landwirtschaftliche Experimente bleiben können.«

Zerstörerische Großprojekte und kreativer, entschiedener Widerstand dagegen gibt es nicht nur in Nantes. Seit dem Jahr 2011 tauschen Aktivist_innen aus verschiedenen Ländern ihre Erfahrungen aus und unterstützen sich gegenseitig darin, die hohlen Versprechungen von Projektbetreibern zu entlarven, die intransparente Zusammenarbeit von Lobby-Vertreter_innen und Politiker_ innen zu durchleuchten und aufgezwungene Umweltzerstörungen zu stoppen.

Um die Merkmale der unnützen und aufgezwungenen Großprojekte bewusst zu machen, haben die Aktivist_innen einen weißen Elefanten als Zeichen gewählt, der symbolisch für eine Sache steht, die anfangs vermeintlich preiswert zu bekommen sei und später enorme Folgekosten produziert.

Am Schwerpunkt dieser Contraste-Ausgabe haben maßgeblich die Aktivist_innen des Stuttgarter »Arbeitskreis S21 ist überall« mitgearbeitet. Ein erster Beitrag fasst daher einige Reden der 400. Montagsdemo gegen das Korruptionsprojekt am Stuttgarter Hauptbahnhof zusammen. Außerdem werden am Beispiel einiger türkischen Bauprojekte die Parallelen zu den »steingewordenen Machtdemonstrationen« des türkischen Präsidenten aufgezeigt. Ein Brief aus dem Baskenland erzählt vom Widerstand gegen das Projekt einer Metrostation direkt unter dem zentralen Badestrand von Donostia/San Sebastian. An der norddeutschen Ostseeküste kämpfen die Beltretter gegen die völlig überdimensionierte Untertunnelung des Fehmarnbelts und im elsässischen Straßburg haben die Asterix-ähnlichen Waldgeister bisher den Baubeginn einer umweltschädlichen Autobahntrasse verhindert.

Zum Abschluss schlägt die Autorin aus Wien den Bogen zur Klimadebatte, die – wenn die Pariser Beschlüsse von den Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik ernst genommen würden – alleine schon zum Ende aller zerstörerischen Großprojekte führen müsste.

Infos: https://stuttgart21ueberall.wordpress.com/

 

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