Für eine Welt ohne Grenzen

Faso Kele ist ein siebenköpfiges Künstler*innenkollektiv, das seit zwei Jahren in Guinea unter schwierigsten Bedingungen ein ökologisches Künstler*innen-Dorf aufbaut. Bei einer Rundreise durch Deutschland berichteten sie, welche beeindruckende Arbeit sie dort täglich leisten.

Lisa, Kommune Niederkaufungen

Faso Kele hat in den letzten zwei Jahren vier Hektar Land in Guinea gekauft. Unterstützt wurden sie dabei von dem transnationalen Netzwerk »afrique-europe-interact«, zu dessen Gründungsgruppen sie gehören. Dieses Land war größtenteils unbebaut und verfügte über keinerlei Infrastruktur, das heißt, es gab keine Elektrizität, keine Trinkwasserversorgung, keine Kanalisation und keine sanitären Einrichtungen. Nur ein kleiner Teil der Fläche wurde vorher bereits landwirtschaftlich genutzt. Es führen keine befestigten Straßen zum Dorf, die nächste asphaltierte Hauptstraße ist ungefähr zehn Kilometer entfernt. Der Aufbau des Dorfes findet also unter extrem schwierigen Bedingungen statt – auch weil jegliche Maschinen und technische Werkzeuge, zum Beispiel für die Bodenbearbeitung, eine Wasserpumpe, Brunnenbau-Equipment oder Solarmodule vor Ort schwer erhältlich oder unbezahlbar sind. So sind es auch Materialien aus Europa, die von Unterstützer*innen mitgebracht und dem Kollektiv zur Verfügung gestelt wurden, unter anderem mechanische Nähmaschinen oder ein Solarpaneel.

Verkauf von Kunsthandwerk

Dennoch ist es Faso Kele gelungen, erste Lebensgrundlagen aufzubauen: es wurde Wohnraum geschaffen, indem mehrere Lehmhütten nach alten Bauweisen errichtet wurden. Auf einigen Ackerflächen wird Gemüse für die Selbstversorgung angebaut. Es wurden verschiedene Obstbäume, Erdnusspflanzen und Ananas gepflanzt. Außerdem färben sie Stoffe mit Pflanzenextrakten und fertigen aus diesen Kleidungsstücke, die sie wiederum kunstvoll mit Naturfarben wie Lehm bemalen. Aus Kalebassen (Kürbisart) werden Lampen und andere Gebrauchsgegenstände gebaut, in die Muster eingebrannt oder rausgeschnitzt werden. Bisher läuft der Verkauf dieser Sachen auf Kunsthandwerker*innenmärkten in Deutschland aber noch nicht gut. Deshalb benötigt das Kollektiv finanzielle Unterstützung, um ihre Lebenshaltungskosten und den weiteren Aufbau des Projekts zu finanzieren.

Faso Kele organisiert bereits seit einigen Jahren – in wechselnden afrikanischen Ländern – das Festival »Welt ohne Grenzen«, das ohne Eintrittsgelder auskommt, um den Menschen vor Ort den Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen, unabhängig von deren Geldbeutel. Es findet einmal im Jahr statt und dient ebenso der Unterstützung der Kunstszene vor Ort, zu der sie selbst auch zählen. Irgendwann möchten sie, wenn die »Basics« im Dorf vorhanden sind, unter anderem ein Tonstudio einrichten und eigens produzierte Musik vertreiben.

Eine neue humane Gesellschaft

Langfristig möchte die Gruppe deutlich wachsen und ein unabhängiges ökologisches Dorf mit Selbstversorgung aufbauen. Dafür möchte sie in naher Zukunft die Landwirtschaft ausbauen, unter anderem Rinder für die Bodenbearbeitung anschaffen und einen funktionierenden Brunnen, um großflächig Reis und andere Grundnahrungsmittel anbauen zu können. In diesem Dorf »soll es allen Interessierten möglich sein, im gerechten Austausch und gegenseitigen Miteinander zusammen zu leben, zu wirtschaften und aktiv zu werden, sich nach den eigenen Fähigkeiten und Bedürfnissen einzubringen – für eine neue humane Gesellschaft in einer Welt ohne Grenzen«.

So lautet ihre Vision, die mich sehr anspricht, auch weil sie mir zeigt, dass Menschen über tausende Kilometer hinweg ähnliche Ziele und Sehnsüchte haben und verfolgen. Aber es gibt gravierende Unterschiede in den zur Verfügung stehenden Ressourcen: Gemeinschaften hierzulande können Kredite von Banken oder vermögenden Privatpersonen bekommen, wir können in den Baumarkt gehen und alle Dinge, die wir benötigen und die günstig für uns irgendwo im globalen Süden produziert werden, dort bekommen. Außerdem profitieren wir in besonderem Maße von den vielen Gegenständen, die diese Gesellschaft »wegwirft« und an uns verschenkt, zum Beispiel Kleidung, Waschmaschinen oder Geschirr.

Momentan benötigt Faso Kele vor allem Unterstützung in folgenden Bereichen: 1. Geldspenden und 2. Werkzeuge, Maschinen und andere Geräte (eine Liste ist auf der Homepage zu finden). Wer Möglichkeiten der Unterstützung sieht, nimmt am besten mit Faso Kele direkt Kontakt auf (siehe unten).

 

Was bedeutet »Faso Kele«?

Der Name »Faso Kele« kommt aus der Sprache Malinke, die in verschiedenen Ländern in Westafrika gesprochen wird. Er bedeutet: Kinder einer Erde. Das Projekt wurde 2010 in Mali gegründet und setzt sich ein für eine Welt ohne soziale, kulturelle, religiöse und nationale Grenzen. »Denn unserer Meinung nach sind diese künstlichen Grenzen Manipulationsinstrumente, die den Hass zwischen den Menschen gesät haben. Mit unserer Kunst wollen wir in kulturellen, politischen und spirituellen Austausch treten, um solidarisches und umweltverträgliches Handeln zu fördern. Wir verstehen Kunst und Handwerk als Mittel zur aktiven Gestaltung einer harmonischen Welt und einem menschlichen Miteinander.«

Die Mitglieder von Faso Kele kommen aus Mali, Guinea, Côte d’Ivoire, Gabun, Deutschland und Burkina Faso. Darüber hinaus verfügt Faso Kele über einen transnationalen Sympathisant*innenkreis und kooperiert mit anderen Gruppen und Organisationen. »Wir haben einen offenen Geist für alle Projekte, die in einer beständigen Solidarität zwischen allen Lebewesen soziales Wohlergehen anstreben.«

Weitere Infos: www.fasokele.org

Kontakt: info(at)fasokele(dot)org

 

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