Wenn der »geflammte Kardinal« mit der »Biesterfelder Renette«

Das Verschwinden der Streuobstwiesen wird zum Problem. Diese kleinen Regenwälder Europas – was einem fast nicht ohne ein mildes lächeln über die Lippen kommt – beherbergen eine deutlich größere Artenvielfalt im Vergleich zur vorherrschenden Landschaftsstruktur. Mit über 5.000 Tier- und Pflanzenarten finden wir in der Streuobstwiese einen Lebensraum, der einen starken Kontrast zu den im Berliner Speckgürtel überwiegend vorzufindenden landwirtschaftlichen Monokulturen darstellt.

CLAUDIA DUBE, IM WANDEL

Genau dieser Sachverhalt soll es dann auch gewesen sein, der den Mitbegründer Bernd Schock dazu veranlasste, den gemeinen Berliner mit dem Schwinden der Brandenburger Streuobstwiesen bekannt zu machen und ebendiesen gemeinen Berliner auch gerne dazu animieren wollte, etwas dagegen zu unternehmen. Was kann der gemeine Berliner jetzt aber tun, ohne den Brandenburger zu missionieren? Klar wie Apfelcidre: erst mal ´ne kühle Limo trinken!

So geschah es dann, dass neben dem Verein zum Schutz, zur Pflege und des Erhalts der Streuobstwiesen »Äpfel und Konsorten e.V.« das Unternehmen OSTMOST gegründet wurde. Die Erträge aus den Streuobstwiesen werden auf dem Berliner Markt in Form von Saft oder Schorlen an ein junges Zielpublikum gebracht. Wie Jakob Schuckall so schön sagt: Eine Marke, die sexy genug ist, das Thema Streuobstwiese an die breitere Masse zu bringen und eben nicht nur an den üblichen Biokunden.

Die Schorlen von OSTMOST findet man dann im Klunkerkranich oder anderen schneidigen Etablissements. Aus Teilen des Erlöses werden dann durch »Äpfel und Konsorten e.V«. wiederum neue Streuobstwiesen gepachtet, erworben oder bestehende gepflegt. Da das sehr aufwändig ist, sucht der Verein immer nach Fleißigen, die bei Aktionen unterstützen. Auch der Erwerb oder gar das Ausfindigmachen neuer Wiesen in Brandenburg sei sehr mühsam und auch hier wäre jedes wachsame Auge ein Gewinn.

Die Vision, die vorschwebt, ist es, die bereits bestehenden Strukturen zu erhalten und nutzbar zu machen. Die Regionen können hier voneinander profitieren. Denn wie Jakob uns sehr verständlich erklärt, eine Streuobstwiese aus rein naturschutzorientierten Gründen (und sicherlich auch Geldern) zu erhalten, das funktioniert nicht sehr gut, denn diese Lebensräume sind nur sehr arbeitsintensiv wiederzubeleben, bzw. würde es bei Neuanlagen bis zu 30 Jahre dauern, bis überhaupt nennenswerter Ertrag abgegeben würde.

Ganz praktisch sieht das so aus, dass in einem grünen Gürtel rund um Berlin alte Wiesen erhalten beziehungsweise neue Wiesen mit alten Sorten angelegt werden sollen. Die alten Sorten sollen so wieder salonfähig gemacht werden. So werden Fantasien wach, in nicht allzu ferner Zukunft keine »Apfelschorle« mehr zu trinken, sondern einen »Geheimrat Dr. Oldenburg« eine »gelbe Schafsnase« oder gar eine »rote Walze«. Das wär was!

Aber nicht nur Fantasieren und Trinken hilft. Der Verein bietet Sinnstiftendes in vielerlei Form an: So können zum Beispiel Baumpatenschaften übernommen werden. 60 Euro gewährleisten die Pflege eines Baumes für den Zeitraum von einem Jahr. Man kann Mitglied werden oder auch anderweitig den Verein durch gut Zureden oder das Auffinden von weiteren Wiesen unterstützen.

Die Wiese, auf der derzeit die meisten Aktionen stattfinden, wie auch der Dreh unseres Videoporträts, liegt in Philadelphia. Wikipedia hilft: ein Ortsteil von Storkow im Landkreis Oder-Spree. Zwischen Kummersdorf und Groß Schauen. Von viel Sorge um den Erhalt der Artenvielfalt über große Visionen zu einer Lösung, von der alle etwas haben. Äpfel und Konsorten hat vorgelegt – wer macht mit? Reclaim Streuobstwiesen!

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