Kommunen als politisches Projekt

Das Kommuja-Netzwerk der politischen Kommunen richtet in diesem Jahr wieder ein »Los Geht's« aus. Auf dem Gelände der Gemeinschaft Lebensbogen treffen sich vom 20. bis 23. Juli bis zu 300 Menschen, die an der Gründung oder einem Einstieg in eine Kommune interessiert sind.

Regine Beyß, Redaktion Kommunen & Gemeinschaften

»Wir wollen das gute Leben für alle!«, schreiben die Organisator*innen des diesjährigen Los Geht’s und laden Interessierte ein, das Leben in einer politischen Kommune als ersten Schritt in diese Richtung kennenzulernen. Gemeinsam mit den Teilnehmer*innen wollen sie die kapitalistischen und diskriminierenden Strukturen unserer Gesellschaft verstehen und ihnen mit solidarischen Alternativen begegnen: Gemeinsame Ökonomie, Entscheidungen im Konsens und ein soziales Miteinander, das auf Kommunikation und Achtsamkeit aufbaut.

Kontinuität durch Bezugsgruppen

Marius aus der Villa Locomuna in Kassel ist zum ersten Mal Teil des Orga-Teams. Er erklärt: »Wir wollen vor allem die Neugründung von Kommunen unterstützen, die Möglichkeit zu Austausch und Vernetzung geben und unsere eigenen Erfahrungen zur Verfügung stellen.« Willkommen sind sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen, die bereits im Gründungsprozess sind. Sie können Menschen aus dem Kommuja-Netzwerk kennenlernen und mit ihnen ins Gespräch kommen, z.B. zu folgenden Fragen: Wie will ich eigentlich leben? Wie gründe ich eine Kommune? Welche Kommunen gibt es schon? Wie können Gruppenrozesse gestaltet werden?

Wie beim letzten Los Geht’s wird es auch in diesem Jahr wieder feste Bezugsgruppen für das gesamte Wochenende geben. »Wir erhoffen uns, dass die Gruppen durch die Kontinuität einen gemeinsamen Prozess und dadurch intensivere Auseinandersetzungen haben«, sagt Marius. Zudem lernen Menschen, die alleine anreisen, so direkt andere Teilnehmer*innen kennen. Die einzelnen Bezugsgruppen werden sich jeweils mit den gemeinsamen Prinzipien der politischen Kommunen auseinandersetzen, aber nach Bedarf eigene Schwerpunkte setzen. Je zwei Kommunard*innen aus dem Kommuja-Netzwerk übernehmen die Moderation.

Gelände im Naturschutzgebiet

Neben der Zeit in den Bezugsgruppen wird es an den Nachmittagen Zeit für eigene Workshops geben. Die Teilnehmer*innen sind eingeladen, selbst aktiv zu werden und inhaltliche, kreative oder bewegte Angebote zu machen. Am Abend sind zudem Konzerte, Theater und Parties geplant.

»Das Camp ist für ungefähr 300 Menschen ausgelegt«, so Marius. Die Kommune Lebensbogen stellt dafür ihr Gelände zur Verfügung. Es befindet sich in der Mitte Deutschlands bei Kassel, eingebettet im Naturschutzgebiet »Hoher Dörnberg«, am Fuße der Helfensteine. Die Gruppe lebt dort nicht nur gemeinsam, sondern betreibt auch ein Tagungshaus als Kollektivbetrieb.

Es stehen einige Zimmer mit Toilette und Dusche zur Verfügung. Ansonsten gibt es zwei Flächen, auf denen die meisten Teilnehmer*innen zelten können, sowie einen Platz für Wohnmobile. Die Workshops und Gruppentreffen finden in Zelten, in Seminarräumen und auf Wunsch auch draußen statt. Zusätzlich steht ein großer Theatersaal mit Bühne für das Kulturprogramm zur Verfügung. Gegessen wird bei schönem Wetter draußen auf der Piazza. Es kann aber auch nach drinnen ins Café ausgewichen werden.

Barrieren abbauen

Die anfallenden Kosten belaufen sich in diesem Jahr auf durchschnittlich 125 Euro pro Teilnehmer*in. Dis Orga-Team wünscht sich daher, dass jede*r einen Beitrag ab 90 Euro nach Selbsteinschätzung zahlt. »Am Geld soll die Teilnahme aber nicht scheitern«, sagt Marius. »Wer nicht so viel zahlen kann, kann sich mit uns in Verbindung setzen, damit wir eine gemeinsame Lösung finden.« Kinder können kostenlos teilnehmen, für sie wird während den Seminarblöcken auch eine Betreuung organisiert.

Ort der Solidarität

Wichtig ist dem Orga-Team, dass das Camp als Ort gelebter Solidarität verstanden wird: »Ein so großes Camp kann nur gelingen, wenn sich alle mit einbringen.« Das kann zum Beispiel die Hilfe beim Kochen, Aufräumen, Übersetzen, Auf- und Abbau oder bei der Kinderbetreuung sein. Um die Selbstorganisation zu realisieren, soll es Vollversammlungen und eine Infowand geben. Wer für die Teilnahme am Los Geht’s irgendeine Form von Unterstützung oder Assistenz benötigt, kann ebenfalls vorab mit dem Orga-Team Kontakt aufnehmen. Diejenigen, die Erfahrungen und Kenntnisse in Assistenz oder spezielle sprachliche Fähigkeiten mitbringen, können dies in ihrer Anmeldung vermerken.

Damit das Los Geht’s für alle ein schönes Erlebnis wird und sich alle möglichst wohl fühlen können, wird es außerdem ein Awareness-Team geben, das Menschen unterstützt, wenn es zu grenzüberschreitendem Verhalten kommt. »Damit es möglichst gar nicht erst zu solchen Vorfällen kommt, wollen wir achtsam und respektvoll miteinander umgehen und uns für unser eigenes Verhalten sensibilisieren«, ergänzt Marius.

Weitere Infos und Anmeldung unter: www.losgehts.eu

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