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Monatszeitung für Selbstorganisation

 

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Dezember 2008

Aus dem Inhalt

PEAK OIL & CO.

Das Ende des Wachstums


                                                                                                                              Foto: AP/Mathias Rietschel

Steigende Preise für Lebensmittel vergrößern den Hunger, es entwickelt sich eine globale Rezession und gleichzeitig wird Energie immer teurer. Innerhalb weniger Jahre hat sich das Terrain für linke Bewegungen dramatisch verändert. Da fällt eine Orientierung nicht gerade leicht. Die besondere Schwierigkeit liegt darin, den Zusammenhang zwischen den verschiedenen Krisenebenen zu erkennen.

Von Andreas Exner, Klagenfurt # Nehmen wir das Beispiel der Ernährungskrise. Zwischen 2007 und 2008 wurden global gesehen Nahrungsmittel um 52 Prozent teurer. Laut FAO vergrößerten 2007 deshalb 75 Millionen Menschen das Heer der Hungernden. Weltweit sind damit schätzungsweise 923 Millionen Menschen mangelhaft ernährt. Die Ursachen scheinen auf den ersten Blick recht unterschiedlich. Ungünstige Wetterverhältnisse verringerten die Ernten der globalen Hauptproduktionsgebiete. Zugleich verdoppelten sich im letzten Jahr die Düngerpreise. Und auch die Preise der fossilen Treibstoffe erreichten ungeahnte Höhen. Parallel dazu wuchs die Nachfrage nach Agrotreibstoff, der gegenwärtig 2 Prozent des weltweiten Treibstoffbedarfs des Transports abdeckt. Spekulation verstärkte den Aufwärtstrend der Nahrungsmittelpreise noch.

So unterschiedlich diese Krisenursachen auch erscheinen mögen. Tatsächlich bringen sie ein grundlegendes Phänomen zum Ausdruck: die Auswirkungen des Kapitalismus verletzen immer brutaler die Grenzen des Erträglichen. So sind die schlechten Ernten der letzten Jahre wahrscheinlich bereits als eine Folge des vom Kapitalismus verursachten Klimawandels zu begreifen. Der Anstieg bei den Treibstoffpreisen wiederum kündigt den Peak Oil, das Fördermaximum beim Erdöl an, das bereits erreicht oder bald zu erwarten ist – Folge des enormen Hungers nach fossilen Stoffen, dem das Kapital alles opfert. Agrosprit soll nun beide Probleme lösen: erstens den Klimawandel bremsen, zweitens die Erdölabhängigkeit verringern. Wie sich jetzt allerdings mit Gewissheit zeigt, verdrängt der Umstieg auf Sprit aus Biomasse den Anbau von Nahrungsmitteln. Und NGOs wie Biofuelwatch argumentieren, dass der Biomasseanbau für Agrosprit den Klimawandel sogar verstärkt. Der Preisanstieg beim Stickstoffdünger schließlich spiegelt nicht zuletzt die Teuerung bei Erdgas, das man bei dessen Produktion benötigt.

Seit Jahresmitte sind die Preise bei Mais, Weizen und Reis um 60 bis 40 Prozent gefallen. Doch die weltweite Hungerkrise droht sich erneut zu verschärfen, warnen UNO und FAO. Diesmal auf noch höherem Niveau. Denn die Finanzkrise hat inzwischen den Agrarmarkt erreicht. Bauern und Agrounternehmen steht weniger Kredit zur Verfügung, um Düngemittel zu finanzieren. Bei fallenden Preisen für Agrarprodukte sinkt zudem der kapitalistische Produktionsanreiz. Umso mehr, als hohe Treibstoff- und Düngerpreise die Profitabilität der Agrarproduktion zusätzlich reduzieren. Wird weniger gepflanzt, so fällt die Ernte geringer aus. Ziehen die Agrarpreise wieder an, so trifft das Länder, die Nahrungsmittel importieren müssen, nun mit doppelter Gewalt. Sie können auf den krisengeschüttelten Finanzmärkten nur schwer Geld dafür locker machen.

Nicht nur Nahrungsmittel, Energie und Düngemittel verteuerten sich. Auch Metalle legten preislich kräftig zu. Schon vor der Finanzkrise übten steigende Rohstoff- und Energiepreise spürbar Druck auf die Profitrate aus. Sie hätten das kapitalistische Wachstum selbst ohne den Zusammenbruch der weltweiten Immobilienblase stark geschwächt. Der Kapitalismus stößt also Schritt für Schritt auch an seine materiellen Schranken. Indem er seine Basisstoffe erschöpft, entzieht er sich selbst immer mehr die natürliche Produktionsgrundlage. Ökologische und geldökonomische Grenzen werden zusehends deckungsgleich.

Die aktuelle Hungerkrise freilich zeigt in grellem Licht, was es bedeutet, wenn eine Alternative ausbleibt. So geht der globale Norden buchstäblich über Leichen, indem er sich an den Fetisch Auto klammert, den Klimaschutz zur Polit-Show deklariert und Kriege um Ressourcen führt. Das ist aber nur die zerstörerische Seite. Jenseits von Ignoranz und Unbewusstheit steht ein wachsendes Bedürfnis nach Befreiung. Darin leuchtet ein klarer Gedanke auf, der inzwischen eine Vielzahl von Ansätzen reflektiert: Wir müssen eine grundsätzlich neue Art der Produktion entwickeln. Es gehtumeine solidarische Ökonomie, die Verkaufsbeziehung und Profitorientierung abschafft und konkrete Versorgungsziele an ihre Stelle setzt.

Andreas Exner ist beim Social Innovation Network aktiv

Schwerpunktthema Seite 7 bis 10

Kasten:

SCHWERPUNKTTHEMA

Das Füllhorn versiegt 
Christian Lauk                                                      Seite 7

FAQ – peak-oil-Problematik                                  Seite 8

Transition Towns 
Christian Lauk                                                      Seite 9

Globale Dörfer und Mutterstädte 
Gespräch mit Franz Nahrada                                 Seite 9

Fülle und Verzicht Franz Schandl                          Seite 10

 

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Copyright © 1999 CONTRASTE Monatszeitung für Selbstorganisation
Stand: 24. November 2008